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Рубрика: Политика, Религија, Друштво    Аутор: Срђан Марјановић    1.111 пута прочитано    Датум: 9.03.2007    Одштампај
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Abrechnung statt Aussöhnung: Im Hinterland der kroatischen Touristenhochburgen an der Adriaküste leben serbische Heimkehrer gefährlich. Sie werden beschimpft und überfallen, ihre Kirchen und Friedhöfe geschändet und verwüstet.

Von Marion Kraske, Spiegel


Biljane Donje – Es sind vor allem die Nächte, vor denen es Sofia Skoric graut. Die 71-jährige Serbin sitzt in ihrem spärlich eingerichteten Wohnzimmer, das Gesicht faltig, die Haut von der Sonne gegerbt. Es dämmert draußen und sie fühlt sich nicht mehr sicher. Wieder eine Nacht, in der sie und ihr Mann Svetozar Opfer der offenbar unkontrollierbaren Wut ihrer Nachbarn werden könnten.

So wie in jener heißen Nacht im Sommer: Es war kurz nach halb zwei, als bei den Skorics pflastersteingroße Brocken durch die Scheibe flogen, Glas zersplitterte. 34 Geschosse hat die Polizei später bei dem Haus gefunden. Auch bei den serbischen Nachbarn im kleinen Dörfchen Biljane Donje brach Panik aus. Es dauerte nur wenige Stunden, bis das nächtliche Überfallkommando gefasst war: vier junge Kroaten aus dem Nachbarort Skabrnja.

In Biljane Donje, einem Dorf ohne Läden, ohne Post, mit nur acht Häusern, lebt eine Handvoll Serben, die nach Jahren der Flucht nun nach Kroatien zurückgekehrt sind. Um die Skorics und die anderen Serben zu schützen, fährt die Polizei inzwischen regelmäßig Patrouille, dennoch bleibt die Furcht vor dem nächsten Mal. “Ohne Schlaftabletten”, sagt Sofia, die alte Serbin, “mache ich kein Auge mehr zu.”

Hass auf “Tschetniks”

Der nächtliche Angriff war nur ein Zwischenfall von vielen. Sofia erzählt von Wagen, die vor ihrem Haus plötzlich stoppen, von Unbekannten, die voller Wut Unflätigkeiten brüllen, die sie und die anderen Serben in Biljane Donje als “Tschetniks” beschimpfen – ein böses Schimpfwort.

Zwölf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs vergeht kaum eine Woche, in der die serbischen Rückkehrer nicht angegriffen werden – nicht Aussöhnung, sondern Abrechnung bestimmt das Zusammenleben der einstigen Kriegsgegner.

Da zündeln Kroaten in orthodoxen Kirchen – erst Ende Januar verwüsteten Unbekannte ein Gotteshaus in Koprivnica nördlich von Zagreb. Da werden serbische Friedhöfe geschändet, wie vor wenigen Wochen nahe der Ortschaft Kozice. Da brennen serbische Autos. Hass-Graffiti erscheinen an Hauswänden; in Bussen, auf offener Straße wird gespuckt, beleidigt, bedroht. Schon mahnt der kroatische Präsident Stipe Mesic zur Versöhnung. Der Angriff auf das Ehepaar Skoric, hatte das Staatsoberhaupt damals gesagt, komme einem “Angriff auf ganz Kroatien” gleich.

Erbitterte Gefechte

Im immergrünen Hinterland der Adriastadt Zadar sind die Gräben zwischen Serben und Kroaten besonders tief. Hier, in der einstigen Obstkammer Tito-Jugoslawiens, lieferten sich Kroaten und Serben zwischen 1991 und 1995 erbitterte Gefechte.

Ihre Angriffe auf kroatische Zivilisten starteten serbische Truppen und Paramilitärs von Knin aus, der nahen Hauptstadt der selbsternannten Serbenrepublik Krajina. Ihr Ziel: Die Region ethnisch zu säubern, um sie dann dem Serbien des damaligen Diktators Slobodan Milosevic anzugliedern. Offen bekannte der oberste Anführer der serbischen Krajina-Milizen, Milan Babic, vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, seine Truppen hätten sich bei den Militäraktionen der “schlimmsten Art von Verbrechen” schuldig gemacht.

Dann holten die kroatischen Verbände im Sommer 1995 zum Gegenschlag aus: In nur wenigen Tagen eroberte General Ante Gotovina mit seiner Operation “Oluja” (Sturm) kroatisches Gebiet erfolgreich zurück. Seinen Landsleuten brachte er die Freiheit. Hunderten Serben, darunter auch Frauen und Kindern, brachte er den Tod. Sofia und Svetozar Skoric flüchteten vor Gotovinas Milizen außer Landes. Wie Tausende Leidensgefährten ließen sie ihre Häuser, ihre Habe zurück.

Gotovina, der Held

Dass auch Gotovina in Den Haag wegen schwerer Kriegsverbrechen angeklagt ist, können viele Kroaten nicht verstehen. “Wir haben uns nur verteidigt”, sagen sie trotzig und verehren den siegreichen Militär wie einen Gott. Gotovina, der “heroj”, der Held. Ein riesiges Plakat an der mehrspurigen Einfallstraße nach Zadar zeigt den Haager Angeklagten Seite an Seite mit dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. – eine kühne Fotomontage.

Während an der Küste von Istrien bis Dalmatien der Tourismus wieder boomt und moderne Ferienressorts die Sonnenhungrigen aus Deutschland und Österreich, aus Irland und Amerika anlocken, scheint nur wenige Kilometer im Landesinnern die Zeit stillzustehen: An der einstigen Frontlinie, dort wo sich serbische und kroatische Truppen gegenüberstanden, warnen rote Hinweisschilder noch immer vor Landminen. Einstmals prosperierende Siedlungen liegen verlassen wie Geisterdörfer da.

Bislang wagte nur eine Minderheit serbischer Flüchtlinge die Rückkehr in die Vergangenheit. Von den vormals rund 350.000 Serben, so Schätzungen der OSZE, sind gerade einmal 123.000 nach Kroatien zurückgekommen. Wenn überhaupt kehren ohnehin nur die Alten heim, junge Serben sehen kaum Perspektiven für sich.

Kroatien blickt nach Brüssel

Dabei gilt die Rückkehr der serbischen Flüchtlinge dem Westen als wichtiger Gradmesser dafür, wie es um die Demokratie in dem ambitionierten Balkanland bestellt ist. Premier Ivo Sanader schickt sich an, sein 4,5-Millionen-Volk in die Nato und in die EU zu führen, am liebsten so schnell wie möglich.

Die Brüsseler EU-Kommission zeigt dagegen keine Eile. Wenn Kroatien Mitglied werden wolle, müsse das einstige Bürgerkriegsland zunächst seine rechtsstaatliche Verlässlichkeit unter Beweis stellen. Wütende Angriffe gegen nationale Minderheiten machen sich da denkbar schlecht.

Das hat auch die kroatische Regierung erkannt und demonstriert ihre Bereitschaft, den Rückkehrern zu helfen. Immer mehr serbische Häuser werden mit staatlichen Geldern aufgebaut und der Ministerpräsident persönlich übergibt sie den Rückkehrern.

Trotz solcher Gesten ist in der Krajina wahrer Frieden noch längst nicht in Sicht. “Gerade in den Dörfern sitzt der Hass tief”, sagt Damir Maricic, der die Kriegswirren als Journalist für die Tageszeitung “Zadarski List” erlebte. “Jeder kennt jeden, und jeder weiß – oder glaubt zu wissen -, was der andere im Krieg gemacht hat.”

Die Rückkehrer nach Biljane Donje stehen bei vielen Kroaten unter Generalverdacht: Von hier aus griffen im Krieg serbische Paramilitärs den kroatischen Nachbarort Skabrnja an. Das war vor 15 Jahren, am 18. November 1991.

Skabrnja – Symbol für Grausamkeit

Damals ermordeten serbische Milizen etwa 80 Kroaten, auch Frauen, Kinder und Alte. Einige quälten sie grausam, andere erschossen sie aus wenigen Zentimetern Entfernung, dann brannten sie die Häuser nieder, 450 insgesamt. Die Toten verpackten sie in schwarze Nylonsäcke und brachten sie wie Jagdtrophäen ins Zentrum von Zadar.

Seither ist Skabrnja für Kroatien das, was Srebrenica für Bosnien ist – ein nationales Symbol für unsagbares Leid und für die Grausamkeit der einstigen serbischen Nachbarn, von denen einige nun wieder da sind.

“Es gibt hier niemanden”, sagt der Bürgermeister von Skabrnja, Nediljko Bubnjar, “der bei dem Massaker nicht irgendeinen Familienangehörigen verloren hat.” Bubnjar, schwarze Sonnenbrille, das Handy im ledernen Hüftgürtel, gilt als Mann der Mäßigung. Er will die Angriffe auf die Serben in Biljane Donje nicht verteidigen. “Aber”, sagt er mit Nachdruck, “man darf auch nicht vergessen, was hier geschehen ist.”

Auf dem Friedhof von Skabrnja stehen drei schlichte Gedenksteine. Auf ihnen sind die Namen der Massaker-Opfer verzeichnet. Auch die Familiennamen der Angreifer auf die Häuser in Biljane Donje finden sich hier eingemeißelt: der von Denis Zilic etwa. Der 34-jährige Kroate hat bei dem Angriff der Serben mehrere Angehörige verloren. Eine der Getöteten war seine Mutter.

In der Nacht des Angriffs auf das Haus von Sofia und Svetozar Skoric sprühten Zilic und seine Komplizen, nur eine Wegbiegung entfernt, den Satz an die Wand einer Ruine, der eine Versöhnung mit den Serben aus Sicht der Kroaten bis heute verhindert: “Gott verzeiht – Skabrnja nicht.”

 

Spiegel





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